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Der Obstbaum

Die meisten Obstsorten sind erst in relativ jüngerer Zeit (18./19. Jahrhundert) gezielt durch Züchtung bzw. Auslese entstanden und werden seitdem als Edelsorten benannt. Viele alte Sorten entstanden meist zufällig und wurden oft einfach gefunden bzw. entdeckt und weitervermehrt (z.B. die Apfelsorte "Boskoop").

Feldweg
Wintergoldparmäne

Die klassische Obstzüchtung vergangener Zeiten (Kreuzung zweier Edelsorten) war im Ergebnis relativ ungewiß und erforderte viel viel Zeit. Praktisch heißt das, wenn man z.B. einen Apfelkern in die Erde aussäte, eine Edelsorte entstehen konnte – ein sogenannter Mutterbaum. Oft entstand nur minderwertiges Obst, welches nicht weitervermehrt wurde. Somit vergingen Jahrzehnte, bis sich eine Edelsorte "etablierte

Die Vermehrung oder Verbreitung einer Edelsorte geschieht durch Veredelung. Dabei wird ein Reis der Edelsorte auf eine Unterlage verpflanzt, d.h. die Unterlage wird veredelt.

Ziemlich alle heute an Wegrändern und Gärten stehenden Obstbäume sind irgendwann einmal veredelt worden. Das bedeutet, daß eine heute noch bekannte Edelsorte praktisch das Weiterwachsen des vielleicht schon vor Jahrhunderten eingegangenen jeweiligen Mutterbaums darstellt.

Zwischenveredelungen

Viele bekannte edle Obstsorten sind empfindlich gegen Umwelt- und Witterungseinflüsse. Damit sind sie hoch anfällig für Krankheiten. So nutzt man oft die robusten Eigenschaften – wie besondere Frosthärte oder Krebsresistenz anderer Edelsorten, um die anfälligen Sorten als Obstbäume möglichst lange gesund und am Leben zu halten. Dabei wird eine solche robuste Sorte meist zwischen Unterlage und Edelsorte als Stammbildner "dazwischenveredelt", welches sich insbesondere bei Apfelbäumen bewährt hat.

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Stammformen bei Obstbäumen

Stammformen erzieht man bei Verwendung unterschiedlich stark wachsender Unterlagen. Die Unterlage bestimmt die Wuchsstärke und Standfestigkeit des Baumes und beeinflusst den Ertragsbeginn.

Man unterscheidet:

Spindelbusch
Als Spindelbusch werden alle Veredelungen auf sehr schwachwachsenden Unterlagen bezeichnet.

    Spindelbüsche haben folgende Eigenschaften:
  • schwach wachsend bis zu einer Höhe von unter 3 m
  • Pfahl als Stütze ist zeitlebens notwendig
  • bildet sehr früh und sehr große Früchte, teilweise sogar schon im 1. Pflanzjahr
  • geeignet für Spalier und Obsthecke
  • relativ kurze Lebensdauer: 20 bis 30 Jahre

Busch
Als Busch werden Veredelungen auf mittelstark wachsenden Unterlagen bezeichnet.

    Spindelbüsche haben folgende Eigenschaften:
  • mittelstark wachsend bis fast 4 m hoch
  • Pfahl ist empfehlenswert
  • hohe Erträge, hohe Fruchtqualität
  • bildet oft schon im 2. Standjahr Früchte
  • für Hausgärten geeignet
  • Lebensdauer: 30-40 Jahre

Halbstamm
Als Halbstämme werden starkwachsende Sämlinge als Unterlage bei allen Obstarten bezeichnet.

  • Stammhöhe: 1,20 bis 1,50 m
  • ohne Pfahl standfest
  • sehr hohe Erträge
  • kommt je nach Standortbedingungen erst spät in Ertrag (ca. ab dem 4. Standjahr)
  • für Obstgärten, Obstwiesen, Feldwege, Hausbaum, Einzelbaum
  • lange Lebensdauer 60-100 Jahre, z.T. darüber
  • Der Stamm selbst wächst wie beim Hochstamm auch nicht weiter in die Höhe, er nimmt nur an Umfang zu. (Der Baum wächst nur mit den Endknospen weiter, die Stammhöhe bleibt zeitlebens gleich).

Hochstamm
(siehe Halbstamm)

  • Stammhöhe: ab 1,80 m
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Zeitfaktoren

Die bekannte Gestalt eines alten Obstbaums erhält dieser erst nach vielen vielen Jahren. Das Maß an Mühe und Arbeit, das in ihnen steckt, läßt sich kaum noch erahnen. Daher wird es genauso viele Jahre dauern, bis heute gepflanzte junge Obstbäume wieder ein prägendes Landschaftsbild schaffen.

Wurden im Osten Deutschlands bis zur Wende die meisten Bestände gepflegt und bearbeitet, ist dies seit ca. 20 Jahren meist nicht mehr erfolgt. Genauso lange wird es dauern, bis all das Versäumte und Verlorene wieder auferstanden ist.

Ein Beispiel: Eine alte Birnensorte nennt sich "Gute Graue". Ein Birnenbaum dieser Sorte kann eichenstark und weit über 100 Jahre alt werden. Nach der Pflanzung kommt diese Sorte frühestens erst nach 10 Jahren in Ertrag. Wer kennt diese Sorte? Wer weiß, wo ein solcher Baum noch steht? Wer würde sich einen Obstbaum, der nach so vielen Jahren vielleicht mal eine Birne trägt, in den Garten pflanzen und pflegen, pflegen... ??? - Aber er ist nach 3 Generationen wunderschön anzusehen und gibt gesundes Obst für die jüngste, nächste Generation...!!!

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Alte Obstsorten

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